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Schlagzeug Grooves mit Bassdrum, Snare und HiHat: Warum weniger in der Band mehr trägt

Oli Rubow spielt rund 90 Prozent seiner Gigs nur mit Bassdrum, Snare, HiHat und vielleicht einem Becken. Warum das kein Verzicht ist, sondern ein Weg zu mehr Groove.

Tim Rustemeier
· 5 Min. Lesezeit
Minimalistisches Drumset mit Bassdrum, Snare und HiHat auf einer Clubbühne, Symbolbild für Schlagzeug Grooves in der Band

Du brauchst keine Toms, um eine Band zu tragen. Ich sage das bewusst so zugespitzt, weil viele Hobby-Drummer glauben, ein gutes Set und viele Fill Ins seien das, was sie in der Band besser macht. Gute Schlagzeug Grooves entstehen woanders. Und manchmal gerade dann, wenn weniger da ist.

Ich hatte dazu ein Gespräch mit Oli Rubow. Oli hat unter anderem mit den Fantastischen Vier, bei The Voice of Germany und mit Max Mutzke gespielt. Und er spielt nach eigener Aussage rund 90 Prozent seiner Gigs nur mit Bassdrum, Snare, HiHat und vielleicht einem Becken.

Was mich an Oli fasziniert: Er spielt wenig, aber er setzt die Schläge genau dahin, wo sie wirken. Wie er dahin gekommen ist, hat überraschend wenig mit Plan und viel mit Neugier zu tun.

Warum Oli fast nur mit Bassdrum, Snare und HiHat spielt

Der Anfang war ganz pragmatisch. Oli hatte schlicht keine Lust, so viel zu tragen. Gleichzeitig hat er sich schon immer als Groove-Drummer gesehen. Er liebt das Wesentliche am Rhythmus, ein Gerüst für die anderen zu sein, oder wie er sagt, ein schönes Bett, das stabil und klar ist.

Die vielen anderen Farben, also Toms für Fill Ins oder weitere Becken, hat er dabei erstmal gar nicht vermisst. Er hat gemerkt, dass er Songs nur durch das Fließenlassen, durch das Grooven toll begleiten kann. Und daran hatte er Freude.

Das ist für mich der Kern. Der Groove ist nicht das, was übrig bleibt, wenn man nichts anderes kann. Er ist das, worauf die Band steht.

Video: Bassdrum, Snare, HiHat – mehr brauchst du nicht! Oli Rubow

Was passiert, wenn Ride und Toms fehlen

Natürlich kamen auch Probleme. Zum Beispiel, wenn Oli in einer Coverband eingestiegen ist und bestimmte Klischees nicht so bedienen konnte, wie man sie hören wollte. Wie spielst du ein interessantes Fill In ohne Toms? Was machst du im Refrain, wenn du nur ein Crash dabei hast und nicht klassisch aufs Ride wechseln kannst?

Oli hat das auf der Bühne ausprobiert. Statt aufs Ride zu gehen, hat er zum Beispiel ein Percussion-Instrument in die Hand genommen, um dem Refrain einen Lift zu geben.

Und dann kam eine Frage, die ich mir selbst nie gestellt habe: Warum geht man im Refrain eigentlich aufs Ride? Die übliche Antwort ist, weil man es immer so gemacht hat und weil es so im Lehrbuch steht. Der eigentliche Grund ist ein anderer. Der Refrain soll aufgehen und strahlen. Das Ride klingt heller als die HiHat, es verschiebt die Frequenzen nach oben.

Wenn du das verstanden hast, brauchst du nicht unbedingt das Ride. Du brauchst die Idee dahinter, also Höhen für den Refrain. Und dafür kann ein Schellenkranz oder sogar eine Triangel genauso gut funktionieren. Ein Shaker zusätzlich zum Stick in der Hand gibt dir noch eine weitere Ebene für Steigerung.

Einfache Schlagzeug Grooves, große Klangvielfalt

Eine Limitierung zwingt dich, das Maximum aus dem Wenigen rauszuholen. So hat Oli das beschrieben. Er hat sich intensiv mit seiner Snare beschäftigt:

  • unterschiedliche Schlagzonen, denn Richtung Spannreifen wird der Ton obertonreicher
  • Umstimmen zwischen den Songs
  • Auflegen und Präparieren mit verschiedenen Materialien, zum Beispiel ein Tuch, das er wegnehmen kann
  • andere Schlagmaterialien wie ein Filzschlägel, Dual Sticks oder ein Besen in der einen und ein Stick in der anderen Hand

Damit hat er quasi zwei Snares in einer. Was gut funktioniert, hat er sich aufgeschrieben. Er nennt das seine persönliche Klangbibliothek, die er beim Spielen abrufen kann.

Dynamik macht den Groove

Ein Schlüsselmoment für Oli war ein Buch von David Garibaldi. Vorher stand in Lehrbüchern einfach eine Note für die Snare, und man hat auf die Zählzeit draufgehauen. Garibaldi sprach dagegen von einer Zwei-Stufen-Dynamik: Akzente, meist als Rimshot, und Ghost Notes für alle unbetonten Schläge. Oli sagt, damit haben seine Beats angefangen zu bouncen.

Das ist auch für dich ein riesiger Hebel. Ein einfacher Groove mit klaren Akzenten und leisen Ghost Notes klingt oft lebendiger als ein komplizierter Beat ohne Dynamik.

Die Bassdrum als Fundament

Bei der Bassdrum orientiert sich Oli am Ideal einer warmen, weichen Kick mit viel Druck, wie bei einem klassischen analogen Drumcomputer. Sie setzt sich durch, nicht durch Klick, sondern weil sie Platz einnimmt. Die Bassdrum ist für ihn das Fundament, auf dem die ganze Band marschiert. Und wenn sie so tonvoll ist, spielt man automatisch weniger Schläge, weil es sonst verwäscht.

Schlagzeug in der Band: Fehler, Risiko und Augenhöhe

Oli geht gern mit einer Portion Risiko auf die Bühne. Nicht alles ist vorher überlegt. Gerade dadurch spielt er jeden Kick sehr wach, weil kein Autopilot läuft.

Natürlich geht dabei auch etwas schief. Spannend fand ich, wie er damit umgeht:

  1. Wiederholen. Ein Fehler, den du wiederholst, wird oft als geplant wahrgenommen, ähnlich wie ein Loop, der irgendwann groovt, auch wenn er schlecht geschnitten ist.
  2. Harter Schnitt. Bei falschem Tempo gibt er der Band ein Zeichen und wechselt nach dem nächsten Fill In ins richtige Tempo.
  3. Weicher Übergang. Wie ein DJ, der zwei Platten ineinander überblendet.
  4. Abbrechen und neu anfangen. Ist ihm auch schon passiert, etwa als ein Kameramann über seine Kopfhörer gestolpert ist und mitten im Song Klick und Monitor weg waren. Das Publikum lächelt, und es geht weiter.

Was dahinter steckt, ist eine Haltung, die ich gerade Hobby-Drummern ans Herz legen möchte. Oli sagt: Ein Konzert funktioniert nur mit dem Publikum. Band und Publikum sind auf Augenhöhe. Du musst dich nicht beweisen. Du bist ein Teil der Musik, ein Teil der Band, ein Teil des Abends. Dadurch wird die eigene Wichtigkeit kleiner, und mit ihr der Stress, ob das Fill In jetzt perfekt war.

Auch Oli ist aufgeregt, wenn ein toller Kollege im Publikum steht. Seine Frage an sich selbst: Warum freue ich mich eigentlich nicht, dass er da ist? Und: Ich kann ohnehin nicht mehr geben, als ich in dem Moment dabei habe. Also kann ich auch locker spielen.

Olis zwei Tipps für dein Üben

Oli sagt ganz offen, dass er nie die Geduld für sehr repetitive Übungen hatte und dadurch auch Lücken hat. Wenn ihn aber eine Idee packt, fühlt sich Üben nicht mehr wie Üben an. Seine Tipps:

  • Üb mit deiner aktuellen Lieblingsmusik. Spiel dazu, lern den Song so, als würdest du am Samstag damit einspringen, oder nutz den Song als Metronom für deine Übungen. Nebenbei entsteht eine Landkarte der Tempi: Bei Tempo 120 oder 94 hast du sofort einen Song im Kopf.
  • Such dir Menschen, mit denen du Musik machst. Nicht allein im Keller, sondern raus und zusammen spielen.

Wenn du das Gefühl hast, in der Band immer dieselben Grooves zu spielen, liegt das selten an zu wenig Material. Oft fehlen nur ein paar Stellschrauben bei Dynamik, Sound und Haltung. In einer kostenlosen Spielanalyse schauen wir gemeinsam, wo bei dir der größte Hebel liegt.

Häufige Fragen

Braucht man Toms, um in einer Band Schlagzeug zu spielen?

Nicht unbedingt. Oli Rubow spielt rund 90 Prozent seiner Gigs nur mit Bassdrum, Snare, HiHat und vielleicht einem Becken. Fehlende Farben ersetzt er durch verschiedene Snare-Sounds, Percussion oder andere Schlagmaterialien.

Wie klingen einfache Schlagzeug Grooves lebendiger?

Ein großer Hebel ist Dynamik. Oli Rubow hat durch David Garibaldi die Zwei-Stufen-Dynamik kennengelernt: Akzente als Rimshot und leise Ghost Notes auf den unbetonten Schlägen. Damit haben seine Beats angefangen zu bouncen.

Was kann ich statt Ride-Becken im Refrain spielen?

Das Ride sorgt im Refrain vor allem für mehr Höhen, damit der Refrain aufgeht. Diese Funktion kann laut Oli Rubow auch ein Schellenkranz, eine Triangel oder ein Shaker übernehmen. Entscheidend ist die Idee dahinter, nicht das konkrete Becken.

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