Bassdrum stimmen: Erst der Ton, dann die Dämpfung
Decke rein, Kissen rein, fertig? Udo Maßhoff zeigt, warum eine fette Bassdrum mit gleich gestimmten Fellen beginnt und warum schon die Höhe des Beaters den Sound verändert.
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Eine fette Bassdrum entsteht nicht durch mehr Dämpfung. Die meisten von uns haben gelernt, die Bassdrum vollzustopfen, bis sie kurz genug ist, und das Resofell irgendwie locker draufzuschrauben. Das funktioniert. Aber es ist selten der Sound, den du eigentlich im Kopf hast.
Ich habe mit Udo Maßhoff von Massoff Drums eine ganze Masterclass lang über den Bassdrum-Sound gesprochen. Udo hat nach eigener Aussage eine regelrechte Besessenheit für mächtige, große Bassdrum-Sounds. Und er hat mir an einem Punkt eine Sache gezeigt, die ich vorher genau andersherum gemacht habe.
Wenn du deine Bassdrum stimmen willst, damit sie endlich fett klingt, fang mit dieser Reihenfolge an: erst den Ton machen, dann dämpfen.
Bassdrum stimmen: beide Felle auf dieselbe Frequenz
Ich gebe zu, wie ich das früher gemacht habe. Bei Toms war das Resofell bei mir immer höher als das Schlagfell. Bei der Bassdrum habe ich es umgekehrt gemacht, weil der Ton sonst zu lang war. Teilweise habe ich das Resofell nur handfest angezogen, bis die Falten weg waren. Ich hatte das auf Festivals gesehen, wo das Frontfell beim Kick sichtbar schwingt. Es hat funktioniert, aber es war nicht immer geil.
Udos Ansatz ist ein anderer. Wenn du zwei Felle hast und den fettesten Bassdrum-Sound willst, musst du beide auf die gleiche Frequenz stimmen. Gleiche Stimmung, und erst dann wird gedämpft. Dahinter steht dasselbe Prinzip, das er für das ganze Schlagzeug anwendet: Zwei gleich gestimmte Felle verstärken sich gegenseitig.
Der Haken: Wenn du erst den Ton machst und dann dämpfst, musst du bei der Bassdrum oft von außen dämpfen. Udo legt dafür einfach etwas vorne unten ans Frontfell, zum Beispiel schwarzen Molton. Er sagt ganz offen, manche sind dafür zu eitel. Ihm ist das egal, und du kannst die Dämpfung so jederzeit variabel anpassen.
Das fand ich ehrlich gesagt smart. Ich bin nie darauf gekommen, weil alle immer etwas in die Bassdrum reingelegt haben. Also dachte ich, da muss etwas rein.
Der Klassiker: ohne Frontfell, mit Decke
Bevor es kompliziert wird, der einfachste Sound, den fast jeder kennt: seit den 60ern ohne Frontfell spielen und eine Decke hineinlegen.
Ohne Decke ist der Sound den meisten zu lang, deshalb fangen sie an zu dämpfen. Rückt die Decke näher ans Fell, verschwinden Obertöne und der Sound wird zunehmend pappig. Stopfst du die Bassdrum ganz voll, klingt sie noch toter. Dazwischen gibt es einen Bereich, in dem du immer noch einen schönen Wumms hast.
Mit einem Mikrofon reicht das schon für einen richtig guten Bassdrum-Sound. Im Gespräch kam dazu eine Geschichte vom Honky Tonk in Paderborn: Nach der eigenen Band spielte in einer Kneipe eine Hip-Hop-Funk-Band mit einem richtig geilen Bassdrum-Sound über die PA. Der Blick zur Bühne: Frontfell ab, Decke drin, ein Mikrofon. Udos Kommentar dazu: Selbst wenn das Fell nicht vernünftig gestimmt ist, funktioniert das immer, weil du so viel wegdämpfst. Mit diesem Sound kannst du laut Udo im Prinzip alles spielen, bis hin zu Metal. Den Charakter steuerst du dann über den Beater.
Die Beaterhöhe: der unterschätzte Trick
Diesen Punkt haben die wenigsten auf dem Schirm. Die meisten stellen den Beater so ein, dass er genau die Mitte des Fells trifft. Man hat ja gelernt, die Mitte ist besser.
Udo hat im Video den Unterschied vorgeführt. Die Mitte ist der tote, trockene Punkt der Trommel. Gehst du mit dem Beater 2 bis 3 cm höher, kommen deutlich mehr Obertöne dazu. Das gilt übrigens für jede Trommel: In der Mitte ist es trocken, je weiter du Richtung Rand gehst, desto mehr Obertöne erzeugst du. Am Rand wirkt die Trommel dadurch gefühlt lauter.
Trocken heißt für Udo also: deutlich weniger Obertöne. Ob du das willst, hängt von deiner Musik ab. Aber es ist eine Stellschraube, die nichts kostet und sofort hörbar ist.
Welcher Beater für welchen Sound?
Über den Beater passiert, ähnlich wie beim Stick, ein großer Teil der Musik. Ein paar Unterschiede, die Udo gezeigt hat:
- Filz ist der Klassiker.
- Holz ist schwerer und hat mehr Masse.
- Ein quadratischer Beater hat mehr Auflagefläche am Fell, der Sound wird breiter und tiefer.
- Je kleiner die Auflagefläche, desto mehr Attack, desto spitzer der Sound.
- Lammfell oder Leder mit weichem Schaumkern fühlt sich für Udo genial an, ist aber nicht besonders laut.
- Harte Beater sind eher für die härtere Gangart, wenn du mehr Klick als Tiefbass brauchst.
Wenn du leise Musik machst und einen harten, schweren Beater nutzt, wirst du nicht glücklich. Auch das Gewicht spielt mit: Ein Beater, der sich am Fuß zu schwer anfühlt, bremst eher, als dass er hilft.
Felle, Löcher und Kesseltiefe
Felle
Bei der Fellauswahl ist Udo erfrischend klar. Es gibt unzählige Bassdrumfelle auf dem Markt. Für ihn gibt es trotzdem im Kern nur einlagig oder zweilagig. Alles, was zusätzlich aufgeklebt oder eingearbeitet wird, addiert letztlich Masse, damit das Fell langsamer schwingt, tiefer klingt und Obertöne verliert. Bei Fellen mit eingebautem Dämpfungsring ist ihm der Ring oft zu breit und zu klatschig. Er hat bei einem Fell den Ring sogar zur Hälfte herausgeschnitten.
Ein zweilagiges Frontfell mag er sehr. Es klingt tiefer, singt weniger und harmoniert gut mit einem vorgedämpften Schlagfell. Wichtig dabei: Ein gutes zweilagiges Fell sollte aufgezogen annähernd so viel Oberton haben wie ein einlagiges. Klingt es wie Gummi, stimmt etwas mit dem Fell nicht und nicht mit deiner Trommel.
Löcher im Frontfell
Ein Loch im Frontfell ist vor allem praktisch, wenn du mit Mikrofon arbeitest. Mit geschlossenem Frontfell bekommst du am Mikro weniger Attack. Udo mag eigentlich den großen Sound der geschlossenen Bassdrum. Er hat deshalb mit einem Locheisen mehrere kleine Löcher ins Frontfell gestanzt. Je mehr Löcher, desto mehr Luft geht raus, desto weniger wird das Fell angeregt und desto trockener wird der Sound.
Kesseltiefe
Je tiefer der Kessel, desto mehr Volumen und Bass, weil mehr Masse da ist. Sind die Felle aber zu weit auseinander, klingt die Bassdrum trocken und ist weniger variabel. Früher waren 14 Zoll Tiefe Standard, in den 90ern wurden die Kessel immer länger. Udo mag 14, maximal 16 Zoll.
Warum sich das am Ende im Groove zeigt
Udo hat sein Thema über die Jahre auf die Spitze getrieben, bis hin zu einer eigenen Bassdrum mit drei Fellen, alle exakt gleich gestimmt. Was mir dabei am meisten hängen geblieben ist, ist nicht die Technik. Es ist sein Satz über den Proberaum: Jeder im Raum hört und fühlt diese Bassdrum, und alle können sich rhythmisch auf sie setzen.
Genau darum geht es. Eine Bassdrum, die klingt, macht nicht nur dich glücklicher. Sie gibt der ganzen Band einen Boden. Wenn du merkst, dass dir trotz gutem Sound noch Sicherheit im Groove fehlt, schauen wir in einer kostenlosen Spielanalyse gemeinsam, wo bei dir der größte Hebel liegt.
Häufige Fragen
Wie stimmt man eine Bassdrum mit zwei Fellen?
Für den fettesten Sound stimmt Udo Maßhoff Schlagfell und Resofell auf die gleiche Frequenz und dämpft erst danach. Gedämpft wird dann oft von außen, zum Beispiel mit Molton oder einer Decke unten am Frontfell. So bleibt die Dämpfung jederzeit variabel.
Wo sollte der Beater die Bassdrum treffen?
Die meisten stellen den Beater auf die Mitte ein. Die Mitte ist aber der trockenste Punkt mit den wenigsten Obertönen. Schon 2 bis 3 cm höher bekommst du hörbar mehr Obertöne und einen offeneren Sound.
Wie dämpft man eine Bassdrum richtig?
Die klassische Variante ist eine Decke im Kessel, die je nach Abstand zum Fell mehr oder weniger Obertöne wegnimmt. Zu viel Dämpfung macht den Sound pappig. Alternativ kannst du nach dem Stimmen von außen dämpfen oder kleine Löcher ins Frontfell stanzen, die den Sound trockener machen.


