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Schlagzeug stimmen: Warum Resofell und Schlagfell gleich gestimmt gehören

Unten höher, oben tiefer: So haben die meisten ihr Schlagzeug stimmen gelernt. Udo Maßhoff hat das 30 Jahre selbst so gemacht und sagt heute, warum er damit aufgehört hat.

Tim Rustemeier
· 5 Min. Lesezeit
Hand mit Stimmschlüssel an einer Tom, Symbolbild für Schlagzeug stimmen mit gleich gestimmtem Reso- und Schlagfell

Die meisten von uns haben das Schlagzeug stimmen auf eine Art gelernt, die den Sound eher verbiegt als befreit. Resofell etwas höher, Schlagfell etwas tiefer, ein Viertel hier, ein Drittel da. Ich habe das jahrelang so gemacht. Udo Maßhoff von Massoff Drums, für mich einer der größten Drum-Sound-Nerds überhaupt, hat es 30 Jahre auf höchstem Niveau so gemacht.

Heute sagt Udo nach acht Jahren gründlicher Recherche: Er hat es selbst falsch verstanden. Das muss man sich erst mal trauen.

In meinen Gesprächen mit Udo ging es genau darum. Warum klingt die 10er Tom gut und die 14er nicht, obwohl du alles gleich gemacht hast? Und warum ist das kein Problem deiner Trommel?

Fehler Nummer eins beim Schlagzeug stimmen

Viele denken, Resofell und Schlagfell müssten unterschiedlich gestimmt werden. Udo sieht das heute komplett anders, und er begründet es mit einem Prinzip, das er das Gesetz der Resonanz nennt.

Wenn zwei Felle exakt auf dieselbe Frequenz gestimmt sind, verdoppelt sich die Amplitude. Udo nennt das einen akustischen Magnetismus zwischen zwei gleichen Frequenzen. Genau das hörst du, wenn eine Trommel plötzlich groß klingt. Erst wenn beide Felle gleich sind, kommt der Ton voll und harmonisch mit allen Obertönen.

Stimmst du die Felle unterschiedlich, verbiegst du die Frequenz. Der Ton ist dann nie ganz rein. Und das summiert sich: Ein Set mit fünf Trommeln und unterschiedlich gestimmten Resofellen hat im Prinzip zehn Felle, die auf zehn verschiedenen Frequenzen schwingen. Udo nennt das Frequenzmüll. Stimmst du jeweils beide Felle gleich, reduzierst du das auf fünf Frequenzen. Das schafft Ordnung im Mix, gibt dir Sustain und, wie Udo sagt, Inspiration. Du sitzt mitten im Sound.

Auch für Tontechniker ist ein gerader, harmonischer Ton weniger ein Problem als verbogene Töne. Udos Satz dazu: Wenn die Töne flattern, ist es vorbei.

Video: 93% stimmen ihr Schlagzeug falsch! – Fehler Nr 1 erklärt (Interview Udo Maßhoff)

Warum die 10er klingt und die 14er nicht

Ich kann dir genau sagen, wie ich früher Toms gestimmt habe. Ich habe die 10er gestimmt, unten etwas höher als oben, bis ich dachte: richtig cool. Dann habe ich versucht, das auf die 14er zu übertragen, im exakt gleichen Abstand. Ergebnis: Es klang furchtbar. Das hat mich zur Weißglut gebracht. Am Ende habe ich die Trommel in die Ecke gestellt, eine Nacht drüber geschlafen und gehofft, dass es am nächsten Tag besser ist.

Udo kennt das auch aus dem Studio. Heute ein fantastischer Sound, morgen früh klingt alles anders, obwohl keiner etwas verändert hat. Sein Bild dafür: Wir gehen mit der Trommel blind auf die Jagd, schießen irgendwohin und glauben nach einem Glückstreffer, so funktioniert es.

Das typische Phänomen kennst du vielleicht: 10er und 12er klingen gut, die 14er nicht, die 16er wieder schon. Udo ist da sehr klar. Das hat in der Regel nichts mit der Trommel zu tun, sondern mit dem Stimmen. Wir wissen schlicht nicht, auf welcher Frequenz unsere Trommeln liegen. Kaum jemand weiß, wo seine Bassdrum frequenzmäßig sitzt.

Und ehrlich gesagt: Gitarristen haben dieses Thema nicht. Die haben aber auch keine 20 Stimmschrauben für einen Ton.

Der Stimmumfang deiner Trommel

Ein zweiter Gedanke von Udo hat mir sehr geholfen. Jede Trommel hat aufgrund ihrer Größe einen Bereich, in dem sie resonant ist.

  • Ganz unten flattert das Fell und hat keinen klaren Ton mehr.
  • Ganz oben wird das Sustain so kurz, dass die Trommel abwürgt.
  • Dazwischen liegt dein eigentlicher Arbeitsbereich.

Wenn du einen bestimmten Ton willst und deine Trommel dabei schon abwürgt, ist die Lösung nicht, weiter zu drehen. Nimm eine kleinere Trommel. Udos Beispiel: Eine 12er Tom auf 160 Hz ist relativ kurz im Sustain. Eine 10er auf 160 Hz hat viel mehr Bauch und Wumms, weil sie da im unteren Teil ihres Stimmbereichs ist. Genau deshalb gibt es unterschiedliche Größen.

Schlagzeug stimmen Anleitung: die Prinzipien, die Udo heute nutzt

Udo hat früher auf seinen DVDs selbst drei Methoden gezeigt: beide Felle gleich, Resofell höher, Resofell tiefer. Heute sagt er, er verbiegt keine Frequenzen mehr. Er weiß, welche Frequenz er auf der 10er, 12er, 14er und 16er haben will. Daraus lassen sich ein paar Prinzipien ableiten:

  1. Kenne den Stimmumfang deiner Trommel. Ohne den kannst du nicht sagen, wo die Frequenz liegen soll.
  2. Stimme Resofell und Schlagfell auf exakt dieselbe Frequenz. Pi mal Daumen reicht dafür nicht. Udo sagt offen, dass viele die Methode verwerfen, weil sie nicht genau genug stimmen und das Stimmgerät nicht verstehen.
  3. Denke in Frequenzen, nicht in Umdrehungen. Das Ziel ist ein klarer Ton, nicht ein Abstand zwischen den Fellen.
  4. Wenn der Ton nicht zur Trommel passt, passt die Größe nicht. Lieber eine kleinere Trommel als ein abgewürgtes Fell.

Snare richtig stimmen: Udos Lieblingsfrequenz

Für alle, die ihre Snare etwas tiefer mögen, hat Udo im Gespräch einen konkreten Wert verraten: 174 Hz, oben und unten, Resonanzfell wie Schlagfell. Er nennt das seine Zauberfrequenz und sagt, du spielst danach ganz anders.

Fell, Kessel, neues Set?

Ich war mehrere Tage bei Udo, als wir seinen Kurs gedreht haben. Wir hatten Felle aus den 90ern, alte Felle von verschiedenen Marken, eine Trommel, die rund 100 Jahre alt war, und einen präzise gearbeiteten High-End-Kessel. Beides klang. Seitdem sehe ich die ewigen Fragen nach einlagig oder doppellagig, nach neuem Kessel oder neuem Set ziemlich entspannt. Nutz, was du hast. Du kannst damit sehr viel machen, wenn du verstehst, wohin du stimmen sollst. Udo sagt: Je mehr du weißt, desto egaler wird dir der ganze Krempel.

Sound ist mehr als Sound

Ein Moment aus diesen Tagen ist mir hängen geblieben. Udo hat eine Tom und eine Kesselpauke gestimmt und im Wechsel angeschlagen. Ich stand mit dem Rücken dazu und dachte, er spielt zwei Kesselpauken. Wir denken beim Schlagzeug selten so weit, dass es auch ein melodisches Instrument ist. Bei Pauken ist das selbstverständlich.

Was mich am meisten überrascht hat: Udos Schüler erzählen ihm, dass sie nie gedacht hätten, dass der Klang ihres Schlagzeugs einen Einfluss auf ihr Timing hat. Seine älteste Schülerin ist 73, und längst nicht alle in seinem Kurs sind Profis.

Wenn dein Set nicht so klingt, wie du es dir wünschst, hast du nichts falsch gemacht. Du hast es so gelernt, wie fast alle es gelernt haben. Udo hat 30 Jahre gebraucht, um es anders zu sehen. Wenn du merkst, dass dich Sound, Timing oder Gefühl gerade bremsen, schauen wir in einer kostenlosen Spielanalyse gemeinsam, wo bei dir der größte Hebel liegt.

Häufige Fragen

Muss das Resofell höher gestimmt werden als das Schlagfell?

Udo Maßhoff sagt heute klar nein. Nach dem Gesetz der Resonanz verdoppelt sich die Amplitude nur, wenn beide Felle exakt dieselbe Frequenz haben. Unterschiedlich gestimmte Felle verbiegen den Ton und erzeugen bei einem ganzen Set unnötigen Frequenzmüll.

Auf welche Frequenz sollte man eine Snare stimmen?

Für alle, die ihre Snare etwas tiefer mögen, empfiehlt Udo Maßhoff 174 Hz, und zwar auf Schlagfell und Resonanzfell gleich. Er nennt das seine Zauberfrequenz. Wichtig ist, dass beide Felle wirklich exakt auf derselben Frequenz liegen.

Warum klingt meine 14er Tom schlechter als die 10er?

Meist liegt es nicht an der Trommel, sondern am Stimmen. Wer den Abstand zwischen den Fellen einfach von einer Tom auf die nächste überträgt, trifft bei anderen Größen nicht den resonanten Bereich. Jede Trommel hat ihren eigenen Stimmumfang, in dem sie klingt.

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