Schlagzeug Timing verbessern: Warum dich das Mikrotiming mehr bremst als jede fehlende Übung
Stefan spielt seit 35 Jahren und war nie ein schlechter Drummer. Trotzdem hat ihn etwas gebremst, das man von außen kaum sieht: das Mikrotiming.
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Wer sein Schlagzeug Timing verbessern will, sucht meistens an der falschen Stelle. Man sucht neue Übungen, neue Fill Ins, neue Grooves. Dabei sitzt das, was einen wirklich bremst, oft in winzigen Abständen zwischen zwei Schlägen, die von außen auffallen und von innen kaum.
Stefan ist 49, spielt seit 35 Jahren Schlagzeug und probt regelmäßig mit seiner Band. Er sagt über sich selbst, er sei kein schlechter Schlagzeuger. Und das stimmt. Er hat immer schon gut gespielt, richtig cool sogar. Und trotzdem hat ihn etwas zurückgehalten, das er allein nicht greifen konnte.
In 12 Wochen hat er daran gearbeitet. Heute sagt er: „Ich spiele viel freier.“ Was dazwischen passiert ist, erzähle ich dir hier.
Wenn gutes Spielen sich trotzdem wie ein Bremsklotz anfühlt
Stefans Baustellen waren klar umrissen. Das Mikrotiming. Die Unabhängigkeit der Füße, also die HiHat durchlaufen lassen und dazu verschiedene Fußpatterns spielen. Und die Koordination zwischen rechter und linker Hand.
Er hat ein Bild dafür benutzt, das ich sehr treffend finde. Man fährt seine Schiene. Das, was man kann, kann man, und das spielt man auch. Aber irgendwann fehlt die Abwechslung, weil der Werkzeugkoffer nicht groß genug ist.
Im Alltag mit der Band war das spürbar. In der Probe oder live lief es, aber sobald er eine neue Idee oder ein neues Fill In einbauen wollte, war da dieser Bremsklotz. Er hat sich nicht getraut, einen neuen Rhythmus zu spielen, bei dem die HiHat anders durchläuft. Sein Gefühl: immer limitiert.
Motivation war dabei nie das Problem. Er hatte immer Lust, Schlagzeug zu spielen, und das Gefühl, dass mehr geht, war auch da. Was gefehlt hat, war die Methodik.
Warum Üben allein das Timing nicht automatisch verbessert
Stefan hat im Gespräch etwas beschrieben, das ich bei vielen erwachsenen Drummern sehe. Es gibt Phasen, in denen es nicht so gut läuft, und wenn kein Lehrer im Hintergrund ist, übt man weniger als man will. Oder man übt Dinge, die eigentlich schon wieder Spielen sind. Dann verliert man den Faden, hat keinen Plan mehr und spielt wieder seine Songs.
Spielen und Üben werden da oft verwechselt. Wer ohne Plan am Set sitzt, spielt das, was er gut kann. Das ist bequem, und genau deshalb bleibt man stehen.
Der zweite Klassiker: Man sucht sich im Internet Übungen raus. Natürlich die, die man können will. Und merkt nicht, dass sie eigentlich viel zu schwer sind. Man fängt an, scheitert, ist frustriert und ist ruckzuck wieder bei dem, was man schon kann. Stefan hat diese Fülle an Fill-Videos im Netz ehrlich gesagt nie interessiert, weil ihm die Methodik dahinter gefehlt hat.
Das hat nichts mit fehlendem Willen zu tun. Allein weißt du oft nicht genau, was du machen musst, wie du es machen musst und ob es überhaupt das Richtige ist.
Mikrotiming: Kleinigkeiten, die keine sind
Interessant ist, wie wir bei Stefan überhaupt beim Thema Timing gelandet sind. Am Anfang haben wir mit dem French Grip gearbeitet. Stefan dachte sich irgendwann, das ist gerade gar nicht mein Thema, brauche ich das überhaupt? Ich habe den French Grip dann zur Seite gelegt und wir haben geschaut, was er wirklich braucht. So sind wir aufs Mikrotiming gekommen. Für ihn war das der Augenöffner.
Was ich bei ihm gehört habe: Er spielte gut, aber hier und da war zum Beispiel ein Doppelschlag leicht zu früh. Für Außenstehende ist das eine Kleinigkeit. Für den, der es umlernen muss, ist es ein riesiges Ding, weil man dafür sein Körpergefühl neu entwickeln muss.
Was in den Wochen danach passiert ist, konnte ich sogar am E-Drum-Set hören, auf dem Stefan zu Hause spielt:
- Die Betonungen kamen fester.
- Die Ghost Notes wurden leiser.
- Das Mikrotiming in sich wurde stimmig.
Ich habe ehrlich gesagt kaum ein E-Set so gut klingen hören. Das ist ein bisschen paradox, weil man am E-Set eigentlich wenig über den Klang steuern kann. Aber genau das zeigt, dass Sound und Timing aus den Händen kommen. Stefan selbst hat das beim Spielen gar nicht so reflektiert. Er hat einfach gespielt.
Selbstbewusstsein gehört zum Timing dazu
Ein Punkt, den Stefan selbst angesprochen hat: Mit dem Timing wächst das Selbstbewusstsein. Im wöchentlichen Gruppencall spielt man vor der Kamera, während andere zuschauen. Das Herz schlägt schneller, man wartet, bis man dran ist, und dann muss man abliefern. Ich kann mich an meinen eigenen ersten Gruppencall noch erinnern. Das war die Hölle.
Aber man gewöhnt sich daran. Und das ist der erste Schritt, bevor es vor Publikum geht. Wenn du dann im Gruppencall hörst „cool, das läuft“, traust du dich mehr. Und dann spielst du anders.
So hat Stefan sein Timing am Schlagzeug verbessert, mit Job und Kind
Stefan ist berufstätig und alleinerziehend. Acht bis zehn Stunden am Tag am Set, wie Profis das machen, sind für ihn unrealistisch. Er hat sich deshalb ganz bewusst angeschaut, wann Üben in seinen Alltag passt.
Gestartet ist er mit einer halben Stunde vor der Arbeit. Daraus wurde mit der Zeit eine Stunde, weil er einfach Lust hatte, länger zu spielen. Heute steht er dafür früher auf und sitzt von 7 bis 8 Uhr am Set. Unter der Woche kommt er so auf mindestens fünf Stunden, manchmal mehr, wenn mittags noch eine halbe Stunde frei ist. Am Wochenende klappt es oft nicht, und sonntags ist Üben in der Mietwohnung auch nicht ideal.
Mir ist dabei wichtig: Er hat nicht mit dem Vorsatz angefangen, jeden Tag eine Stunde zu üben. Er hat mit 30 Minuten angefangen. Der Rest hat sich ergeben. Mit 30 Minuten kann man schon viel erreichen.
Was sich in der Band verändert hat
Nach einer längeren Probenpause, weil die Band eine CD produziert hat, ist Stefan mit einem ganz anderen Körpergefühl in den Proberaum gegangen. Er weiß jetzt, was er mitgebracht hat, und kann es direkt umsetzen. Ein Beispiel: Openhanded war für ihn immer ein rotes Tuch. Das kann ich nicht, das mache ich nicht. Heute spielt er bei manchen Songs die ersten Takte openhanded.
Und dann dieses Gefühl, wenn alles sitzt. Stefan nennt es „Gänsehautfeeling“: Es läuft, es groovt, du bist mit der Band auf dem Punkt.
Geht das auch, wenn man nicht allein betreut wird?
Stefans größter Zweifel war, ob ich in einer Gruppe individuell genug auf ihn eingehen kann. Pro Woche ein Gruppencall, vielleicht 15 bis 20 Minuten Zeit für jeden, reicht das?
Seine Antwort heute: ja. Jeder bekommt das Zeitbudget, das er braucht. Wer mehr braucht, bekommt mehr. Dazu kommen die Videos, die man jederzeit in die Gruppe posten kann, und darauf gibt es Rückmeldung. Er sieht auch bei den anderen, wie unterschiedlich die Level sind, und dass trotzdem alle besser werden und Spaß haben.
Wenn du gut spielst und trotzdem das Gefühl hast, dass dich etwas bremst, dann liegt es selten an deinem Einsatz. Meistens ist es eine Kleinigkeit, die du von innen nicht hörst. In einer kostenlosen Spielanalyse hören wir gemeinsam genau hin und finden heraus, wo bei dir der größte Hebel für ein freieres Timing liegt.
Häufige Fragen
Was ist Mikrotiming beim Schlagzeug?
Mikrotiming meint die winzigen Abweichungen innerhalb eines Grooves, zum Beispiel ein Doppelschlag, der leicht zu früh kommt. Von außen wirkt das wie eine Kleinigkeit. Um es zu ändern, muss man aber sein Körpergefühl neu entwickeln.
Wie lange muss man üben, um das Timing am Schlagzeug zu verbessern?
Stefan hat mit 30 Minuten täglich vor der Arbeit angefangen. Mit der Zeit wurde daraus eine Stunde, weil er Lust darauf hatte. Wichtig war nicht die Dauer am Anfang, sondern dass er regelmäßig und mit Plan geübt hat.
Warum werde ich am Schlagzeug nicht besser, obwohl ich viel spiele?
Oft werden Spielen und Üben verwechselt. Ohne Plan spielt man das, was man schon gut kann, oder greift zu Internet-Übungen, die eigentlich zu schwer sind. Beides führt dazu, dass man stehen bleibt.


