Schlagzeug in der Band: Warum Musiker selbst an ihrem schlechten Ruf schuld sind
Im Gespräch mit Udo Maßhoff geht es um den schlechten Ruf von Musikern – unzuverlässige Bandkollegen, Egos und warum jeder gemeinsame Spielmoment mit zunehmendem Alter kostbarer wird.
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Wenn du Schlagzeug in der Band spielst, kennst du vermutlich genau die Geschichten, über die Udo Maßhoff und ich in meinem neuen Gespräch reden: der Sänger, der sich "im Datum irrt" und einen Tag vorher absagt, der Gitarrist, der seit Wochen weiß, dass Probe ist, und trotzdem nichts vorbereitet hat. Musiker haben einen schlechten Ruf – und ein großer Teil davon ist hausgemacht.
Warum haben Musiker einen so schlechten Ruf?
Weil erschreckend viele Musiker ihr Instrument zwar beherrschen, sich aber nicht vernünftig verhalten. Udo Maßhoff bringt es im Gespräch auf den Punkt: Sein Instrument zu spielen, das schaffen viele. Die zweite Sache – zu seinem Wort zu stehen, pünktlich zu sein, loyal zu sein, einfach ein cooler Typ zu sein – fehlt bei auffällig vielen.
Wer schon mal eine Band organisiert, Gigs geplant oder einfach nur zur Probe eingeladen hat, kennt die Nörgeleien: das Hotel passt nicht, der Termin passt nicht, und kurz vorher die Absage per SMS, weil man sich angeblich im Datum geirrt hat. Udo spricht da aus eigener, oft frustrierender Erfahrung – bis hin dazu, dass er aktuell in keiner Band mehr spielt, weil ihn genau das zu sehr belastet hat.
Ist Unzuverlässigkeit wirklich ein reines Musiker-Ding?
Nicht zwangsläufig. Im Gespräch stellen wir uns genau diese Frage: Sind das wirklich typische Musiker-Eigenschaften, oder sind das einfach Menschen, die generell schlampig sind und zufällig ein Instrument in die Hand genommen haben? Udo bringt es mit einer einfachen Rechnung auf den Punkt: Wenn rund zehn Prozent der Bevölkerung eine psychopathische Veranlagung haben sollen, dann hast du statistisch auch zehn Prozent solcher Charaktere unter Musikern – gerne in Form von Sängern oder Gitarristen, wie er augenzwinkernd anmerkt.
Gleichzeitig sind Bands wie kleine Dörfer: verschiedene Charaktere, die harmonieren müssen. Jeder greift aus einem anderen Grund zum Instrument, manche, weil sie wirklich Musik machen wollen, andere, weil sie auf der Bühne stehen und Anerkennung bekommen wollen. Genau da trennt sich für mich und für Udo die Spreu vom Weizen: Musiker, die nur dann zur Probe kommen, wenn ein Gig ansteht, zeigen damit, dass es ihnen nicht ums gemeinsame Musizieren geht, sondern ums Profilieren.
Woran erkennst du Musiker, denen es nur ums Profilieren geht?
Daran, dass sie zur Probe nicht erscheinen, wenn kein Gig ansteht. Genau diesen Punkt bringt Udo im Video, und er trifft damit einen wunden Punkt bei vielen Bandmusikern: Du kannst in einer Band spielen, aber die Leute bekommst du nur dann zum Proben, wenn tatsächlich ein Auftritt bevorsteht. Daran merkst du, dass es diesen Menschen überhaupt nicht darum geht, gemeinsam Musik zu machen, sondern nur darum, sich irgendwo hinstellen und zeigen zu können.
Mich persönlich bringt das während der Probe selbst auf die Palme, wenn der Sänger den Text immer noch vom iPad abliest, obwohl er nichts weiter zu tun gehabt hätte, als genau diesen Text zu lernen. Das ist für mich kein Künstlertypen-Ding, sondern schlicht respektlos gegenüber der restlichen Band.
Wenn du dich fragst, warum manche Bandkollegen trotzdem nie die Songs lernen, obwohl der Termin seit Wochen feststeht, lohnt sich auch ein Blick in meinen Beitrag Schlagzeug Motivation verloren: Was ich von Udo Maßhoffs Absturz gelernt habe. Dort geht es darum, was passiert, wenn genau dieser Frust über längere Zeit anhält.
Warum wird mit zunehmendem Alter jeder Gig kostbarer?
Weil die Zahl der Gigs, die dir in deinem Leben noch bleiben, begrenzt ist. Udo rechnet im Gespräch vor: Wenn er in den letzten zehn Jahren im Schnitt nur ein bis zwei Gigs pro Jahr gespielt hat und noch fünfzehn Jahre spielen kann, dann bleiben ihm realistisch vielleicht zehn bis fünfzehn Gigs in seinem ganzen Leben. Wenn du das weißt, wird jeder Tag, an dem du dein Schlagzeug aufbauen und mit jemandem zusammenspielen kannst, zu etwas Besonderem, auf das du dich tagelang vorher freust.
Diese Perspektive verändert einiges. Wer in einer Stadt mit vielen Musikern und mehreren Bandoptionen lebt, merkt das vielleicht weniger stark. Aber im Grunde weiß niemand, wie viele gemeinsame Spielmomente ihm noch bleiben. Menschen werden krank, Bands zerstreiten sich über völlig andere Themen, Leben verändert sich. Genau deshalb sind für Udo gemeinsame Probenabende, bei denen wirklich alle vorbereitet und bei der Sache sind, kein lästiges Pflichtprogramm, sondern ein Geschenk.
Was kannst du selbst aus diesem Gespräch mitnehmen?
Wenn du Schlagzeug in der Band spielst und dich regelmäßig über unzuverlässige Bandkollegen ärgerst, bist du mit diesem Frust nicht allein. Udo und ich sprechen offen darüber, dass genau diese Erfahrungen – abgesagte Proben, nicht gelernte Songs, Egospielchen auf der Bühne – zu den häufigsten Gründen gehören, warum Bandmusik frustriert statt Spaß macht. Gleichzeitig zeigt das Gespräch, dass sich dieser Frust lohnt auszuhalten, wenn die musikalische Chemie am Ende stimmt: Mit den richtigen Menschen zusammenzuspielen bleibt, wie Udo sagt, das Schönste überhaupt.
Im Video gehen wir noch deutlich tiefer in konkrete Situationen, die wohl jeder Bandmusiker kennt – von der Session-Band, in der während der Probe das Handy ausgepackt wird, bis zur Frage, wer eigentlich der schlimmste Typ im Bandgefüge ist. Das ganze Gespräch mit Udo Maßhoff zeige ich ausführlich hier: https://www.youtube.com/watch?v=Bfq_CQeSDHo
Häufige Fragen
Warum haben Musiker einen schlechten Ruf?
Weil viele Musiker zwar ihr Instrument beherrschen, sich aber nicht zuverlässig verhalten. Udo Maßhoff und ich sprechen im Video darüber, dass fehlende Pünktlichkeit, Loyalität und das Einhalten von Absprachen bei vielen Musikern deutlich stärker fehlen als handwerkliches Können.
Ist Unzuverlässigkeit wirklich ein typisches Musiker-Problem?
Nicht zwangsläufig. Im Video diskutieren wir, dass es sich eher um Menschen handelt, die generell schlampig sind und zufällig ein Instrument spielen, als um ein spezifisches Musiker-Phänomen. Gleichzeitig ziehen Bands aufgrund des Status- und Bühnenfaktors besonders viele Egos an.
Woran erkenne ich Bandkollegen, denen es nur ums Profilieren geht?
Ein klares Zeichen ist laut Udo Maßhoff, dass diese Musiker nur zur Probe erscheinen, wenn ein Gig ansteht. Fehlt der Auftritt als Anlass, bleibt auch das Interesse am gemeinsamen Musizieren aus.
Warum wird Bandmusik mit zunehmendem Alter kostbarer?
Weil die Zahl der verbleibenden Gigs im Leben begrenzt ist. Udo rechnet im Video vor, dass ihm bei seinem bisherigen Tempo realistisch nur noch etwa zehn bis fünfzehn Gigs bleiben, was jeden gemeinsamen Spieltermin zu etwas Besonderem macht.


