Drum Masters by Tim RustemeierDrum Masters by Tim Rustemeier

Schlagzeug lernen mit 50: Wie Dirk mit 55 im zweiten Jahr in der Arena spielt

Dirk hat mit 53 angefangen, weil Schlagzeug sein Kindheitstraum war. Im zweiten Jahr lernt er 20 Songs für einen Auftritt in der Arena. So ist er dorthin gekommen.

Tim Rustemeier
· 5 Min. Lesezeit
Schlagzeug mit Notenständer im Übungsraum aus Sicht des Drummers, Symbolbild für Schlagzeug lernen mit 50

Schlagzeug lernen mit 50 ist nicht zu spät. Zu spät ist es erst, wenn du weiter darauf wartest, dass irgendwann der richtige Moment kommt. Ich erzähle dir das an der Geschichte von Dirk, weil er genau mit diesem Gedanken angefangen hat: Mir rennt die Zeit davon.

Dirk ist 55. Schlagzeug war schon als Kind sein Traum. Das Instrument hat ihn fasziniert, aber seine Eltern hatten finanziell nicht die Möglichkeit, ihm ein Set zu kaufen oder Stunden zu bezahlen. Also wurde der Traum vor sich hergeschoben. Dann kamen Familie, Kind, Beruf, und irgendwann war man eben älter.

Mit 53 hat er gesagt: Ich mache es jetzt einfach. Und heute steht er da, wo er sich selbst am Anfang nie gesehen hätte. Nicht, weil er ein Ausnahmetalent ist, sondern weil er sich getraut hat, über sich hinauszuwachsen.

Mit Mitte 50 anfangen: der Gedanke an den Rückstand

Was Dirk am Anfang am meisten beschäftigt hat, kennen viele, die spät einsteigen. Er hat es so beschrieben: Gefühlt hast du schon 30, 40 Jahre Rückstand auf die, die als Kind angefangen haben. Das holst du nicht mehr auf. Aber du willst wenigstens halbwegs vernünftig spielen können, und dir rennt die Zeit weg.

Daraus entsteht Druck. Einen Teil davon macht man sich selbst. Dirk ist dabei ein sehr realistischer Mensch. Er wusste, dass er sich die Ziele nicht zu hoch stecken darf, weil andere manche Dinge schon seit 20 oder 30 Jahren können. Seine größte Baustelle war und ist die Handtechnik. Wer sich das Spielen selbst beibringt, bringt sich manches eben anders bei, als es sein sollte. Das umzustellen ist für ihn bis heute die größte Herausforderung, auch wenn es deutlich besser geworden ist.

Bevor wir zusammengearbeitet haben, hatte Dirk sich das Spielen zunächst selbst beigebracht. Dann hat er sich an der Volkshochschule angemeldet, bei einem Schlagzeuglehrer, den er selbst als sehr gut beschreibt und der gut vermitteln kann. Trotzdem hatte er das Gefühl, dass Tempo und Umfang nicht zu dem passten, was er wollte. Es forderte ihn nicht so, wie er es sich gewünscht hat. Er wollte mehr.

Video: Mit 55 Jahren schnell Schlagzeug gelernt (Erfahrung Drum Masters by Tim Rustemeier)

Was ihn überzeugt hat: Ehrlichkeit statt Versprechen

Gefunden hat Dirk mich über eine Facebook-Gruppe. Er hat gelesen, was dort erzählt wird, und irgendwann haben wir miteinander gesprochen. Was ihn überzeugt hat, war ausgerechnet etwas, das man eher als Abschreckung erwarten würde.

Ich habe ihm von Anfang an gesagt, dass es herausfordernd wird. Nicht „fang mal an, das wird schon“, sondern: Wenn du das machst, musst du dabeibleiben, und es wird auch hart. Dirk hat das so zusammengefasst: Der Tim ist ehrlich, der sagt, in welche Richtung es geht. Dazu kam die Sympathie. Wir hatten uns nur über Zoom gesehen, aber er meinte, man müsse sich eben auch riechen können. Mit seiner Lebenserfahrung spürt man ziemlich schnell, ob eine Zusammenarbeit funktionieren kann.

Natürlich hatte er auch Zweifel. Seine größten waren finanzieller Natur, das hat er offen gesagt. Er hat es mit dem verglichen, was er bisher investiert hat, und für sich entschieden: Wenn man sich einen Traum erfüllen will, gehört eine Investition dazu, wie bei jedem Hobby. Und wenn er noch ewig wartet, steht er in zwei Jahren vielleicht immer noch an derselben Stelle.

Ein Punkt war für ihn außerdem wichtig: Es ging schnell los. Er musste nicht zwei Monate auf einen Platz warten, sondern konnte direkt am Instrument arbeiten.

Schlagzeug lernen mit 50 plus: Was sich wirklich verändert hat

Ich habe Dirk gefragt, was er aus dem Coaching mitgenommen hat. Seine Antwort war ein einziges Wort: Selbstvertrauen.

Selbstvertrauen darin, dass er trotz aller Zweifel, mit viel Arbeit und viel Zeit, Dinge am Instrument erreichen kann, die er sich am Anfang nicht vorgestellt hätte.

Sein persönliches Highlight war die Koordination. Alle vier Gliedmaßen so zu verteilen, dass jede etwas anderes spielt und es trotzdem zusammen funktioniert. Genau das macht das Schlagzeug aus, und genau das hatte er sich nicht zugetraut. Er sagt heute: Wenn du das schaffen kannst, kannst du mit Übung auch noch ganz andere Dinge schaffen.

Dirk beschönigt dabei nichts. Er arbeitet, hat andere Verpflichtungen, und es gibt auch mal drei, vier, fünf Tage, an denen er gar nicht zum Spielen kommt. Dann merkt er, dass etwas fehlt. Das gehört dazu. Er sieht sich selbst auch heute noch gefühlt im Anfängermodus. Und gerade deshalb finde ich das, was dann kam, so stark.

20 Songs in der Arena im zweiten Jahr

Als wir das Interview geführt haben, stand für Dirk die Weihnachtsausgabe der Grand Jam in Düsseldorf an. In der Arena, mit gefühlt tausend anderen Musikern und 100 bis 150 Schlagzeugern zusammen. Dafür lernt er 20 Songs.

Hätte er das am Anfang unserer Zusammenarbeit gedacht? Seine Antwort: auf keinen Fall. Sein kleiner Traum war, irgendwann ab einem bestimmten Level vielleicht mal in einer Garage mit anderen zu spielen. Jetzt geht es in die Arena.

Dazu musste er auch Noten lesen lernen. Am Anfang des Jahres wäre er dazu nicht in der Lage gewesen. Heute fällt es ihm teilweise noch schwer, aber er weiß, was wo passiert. Manche Fill Ins kann er noch nicht so spielen wie im Original, also findet er einen Weg, sie so zu spielen, dass es passt.

Respekt hat er natürlich. Den wird er bis zum letzten Tag haben. Aber er weiß auch, dass er dort nicht allein vor Tausenden sitzt. Es gibt vorher zwei Tage Generalprobe, auch Anfänger bekommen Tipps, und es ist ausdrücklich gewollt, dass jeder mitspielen kann. Für Dirk zählt: Ich war dabei, ich habe mir das zugetraut und mein Bestes gegeben.

Ich habe ihm im Gespräch gesagt, dass ich meinen Hut ziehe. 20 Songs im zweiten Jahr am Schlagzeug, in einer Arena. Ich hätte mir gewünscht, damals selbst so mutig gewesen zu sein.

Was Dirk dir mitgeben würde

Auf die Frage, was er Menschen sagen würde, die noch zweifeln, war Dirk sehr klar: einfach ausprobieren. Zweifel hat jeder. Es ist fordernd, und es gibt bei der einen oder anderen Übung mal einen kleinen Rückschlag. Was dem einen leichtfällt, fällt dem anderen schwerer. Aber durch die intensive Betreuung kommt man voran. Für ihn war wichtig, dass ich immer ansprechbar war, auch mal zwischendurch per WhatsApp, wenn er irgendwo festhing. Dieses Persönliche braucht man, wenn man mitten im Lernen steckt und nicht weiterkommt.

Und noch ein Gedanke von ihm, den ich wichtig finde: Man muss auch mal versuchen, über sich hinauszuwachsen, um zu sehen, wo die eigenen Grenzen wirklich liegen.

Wenn du mit 50 oder später spürst, dass da mehr gehen müsste, dann schauen wir uns das gern zusammen an. In einer Spielanalyse sehe ich mir dein Spiel an, und wir finden heraus, wo bei dir der größte Hebel liegt und was als Nächstes für dich realistisch ist.

Häufige Fragen

Kann man mit 50 noch Schlagzeug lernen?

Ja. Dirk hat mit 53 angefangen und im zweiten Jahr 20 Songs für einen Auftritt in der Arena gelernt, inklusive Notenlesen. Den Rückstand auf Kindheitsspieler holt man nicht komplett auf, aber man kann Dinge erreichen, die man sich am Anfang nicht zugetraut hätte.

Was ist beim Schlagzeug lernen als Spätstarter am schwierigsten?

Bei Dirk war es vor allem die Handtechnik, weil er sich vieles erst selbst beigebracht hatte und das umstellen musste. Dazu kommt die Koordination aller vier Gliedmaßen, die er sich anfangs nicht zugetraut hat und heute als sein persönliches Highlight beschreibt.

Wie viel Zeit braucht man zum Schlagzeug üben neben Job und Familie?

Dirk sagt selbst, dass es nicht immer einfach ist, die Zeit zu finden, und dass es auch mal drei bis fünf Tage ohne Üben gibt. Entscheidend war für ihn, dranzubleiben und durch die intensive Betreuung trotzdem voranzukommen.

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