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Wie oft Schlagzeug üben? So schafft Patrick es mit Familie, Job und Band

Zwei Kinder, Hund, fast Vollzeitjob und eine Band: Wie Patrick trotzdem regelmäßig übt und warum fünf Minuten oft mehr bewirken als gedacht.

Tim Rustemeier
· 5 Min. Lesezeit
Kleines Übungsset mit Pads und Metronom im Wohnzimmer als Sinnbild dafür, wie oft man Schlagzeug üben kann, auch mit wenig Zeit

Die Frage, wie oft Schlagzeug üben sinnvoll ist, führt dich in die Irre, solange du dabei an feste Stunden am Set denkst. Die meisten Hobby-Drummer, die ich kenne, haben diese Stunden schlicht nicht. Und trotzdem werden manche von ihnen richtig gut.

Einer davon ist Patrick. Er war bei mir im Coaching, und ich habe ihn in meinen Podcast eingeladen, weil mich beeindruckt hat, wie er das Üben in seinen Alltag gepackt hat. Kein Lob auf mein Coaching, sondern seine eigenen Methoden, die er sich selbst entwickelt hat.

Patricks Ausgangslage kennen viele: verheiratet, zwei Töchter, ein Hund, fast Vollzeit als Erzieher im Kindergarten, dazu eine Band, die mindestens einmal pro Woche probt, und noch Termine für die Familie. Abends, so hat er es gesagt, fällt er eigentlich nur noch ins Bett.

Wie oft Schlagzeug üben, wenn der Alltag voll ist

Patrick hat sich einen festen Rahmen gesetzt, aber keinen festen Termin. Zwischen zwei Bandproben will er drei Übungssessions geschafft haben. Wann die stattfinden, ist offen. Mal Montagabend, mal Mittwochmittag, je nachdem, wo sich eine Lücke auftut.

Was in so einer Session passiert, ist bewusst klein gehalten. Ein Paradiddle auf den Füßen. Eine Verschiebung mit den Armen. Ein Blick aufs Metronom, ob das Timing stimmt. Drei solcher Sessions pro Woche sind für ihn gerade das Machbare. Und laut Patrick hat er das bisher immer geschafft, weil es im Alltag viel mehr Lücken gibt, als man glaubt.

Der Türöffner war für ihn ein Satz, den ich oft sage: Es braucht nur fünf Minuten am Tag. Patrick erzählte, wie es danach bei ihm gerattert hat. Er saß am Laptop, hat E-Mails gecheckt und dachte sich: Warum mache ich das eigentlich gerade? Ich könnte auch einen Paradiddle spielen. Er hat angefangen, und als er auf die Uhr geschaut hat, waren zehn Minuten rum.

Seine Lücken nennt er „5-Minuten-Türchen“. Die erste Zeit im Coaching hat er zum Beispiel seine Mittagspause genutzt, um Fußpattern zu üben.

Video: Zeitmanagement am Schlagzeug: Familie, Job, Band

Ein Übungsset aus Resten

Weil Patrick sein großes Set nur im Proberaum hat, musste er kreativ werden. Im Proberaum lag noch ein altes Roto-Tom-Set. Darauf hat er Mesh-Felle gezogen, ein Übungspad mit einer Klammer dazu montiert, und fertig waren seine vier Pads für zu Hause. Seine Familie hat es nach eigener Aussage nicht groß gestört. Auch mit weniger geht also ganz viel.

Üben ohne Schlagzeug: mentales Training

Der Punkt, der mich an Patricks Geschichte am meisten fasziniert hat, ist das mentale Üben. Ich kenne das selbst gut. Als ich während meines Studiums in eine Top-40-Band eingestiegen bin, musste ich auf einmal 60 bis 70 Songs lernen, neben zwei Jobs und der Uni. Vieles davon bin ich im Kopf durchgegangen.

Patrick macht es genauso. Wenn er keine Zeit am Set hat, geht er die Bewegungsabläufe im Kopf durch. Beim Gassigehen mit dem Hund, beim Autofahren, beim Vorlesen für die Kinder. Er ist mit einer Übung teilweise tagelang spazieren gegangen, bis er wieder am Set saß. Seine Worte: „Der Weg war da, ich musste ihn nur noch laufen.“

Als ich ihn am Anfang nach dem Paradiddle gefragt habe, stand er da als Autodidakt und meinte: Klar, mache ich. Es hat keine zwei Wochen gedauert, bis er ihn blind spielen konnte. Den Oberschenkel, ein Stuhlbein, die Schreibtischplatte, alles kann zum Übungsgerät werden. Üben heißt eben nicht zwingend, sich um 16 Uhr mit dem Set zu verabreden.

Wichtig ist ihm dabei das Tempo. Er sagt selbst, Tempo sei mein Lieblingswort: immer schön langsam. Wenn es oben im Kopf angekommen ist, läuft es irgendwann, und das Tempo zieht von allein an.

Wenn der Schweinehund gewinnen will

Patrick hat offen erzählt, dass er mich in den ersten Wochen auch mal gehasst hat. Er hat 15 Jahre lang autodidaktisch Metal gespielt, und dann kam ich mit Paradiddles, Shuffle und Triolen um die Ecke. Da hat er an sich gezweifelt.

Auch schlechte Tage kennt er. Tage, an denen du dich eigentlich ans Set setzen willst und merkst, dass du lieber ins Bett möchtest. Sein Tipp: Versuch es trotzdem ein bisschen. Wenn du nicht auf 100 Prozent kommst, aber 70 erreichst, hast du eine Menge geschafft. Oft war es dann bei ihm mehr, weil es nach einer Auftauphase einfach lief. Wenn er im Leerlauf ist, spielt er einen Coversong, den er seit Jahren im Schlaf kann. Dann ist der Körper warm, und es geht weiter.

Und er hat sich selbst belohnt. Jedes Mal, wenn er sich außerhalb von Coaching und Bandprobe hingesetzt hat, wanderte eine Münze in eine Kasse. Davon hat er sich irgendwann ein neues Becken gekauft.

Sich selbst filmen

Einen Tipp, den Patrick seinem zehn Jahre jüngeren Ich geben würde: Stell ein Smartphone hin, film dich und schau es dir danach an. Du kommst selbst drauf, wo die Lücken sind. Er hat dabei gemerkt, dass er sich manchmal selbst ein bisschen angelogen hat. Das kenne ich auch aus dem Coaching: Viele sind überzeugt, etwas genau so gespielt zu haben, und erst auf dem Video sieht man den Unterschied.

Patricks drei Tipps für deinen Schlagzeug Übungsplan

  1. Selbstmanagement. Schau dir dein Alltagsraster an. Wo hast du mal zwei Stunden, wo eine, an welchen Tagen? Such dir die Lücken und entscheide, ob du sie mit Schlagzeug füllen willst.
  2. Eigene Motivation. Ohne einen Funken Motivation kommst du nicht weiter. Aus einem Funken kann aber ein großes Feuerwerk werden.
  3. Kontinuität. Bleib dran, auch wenn es nur einmal die Woche ist. Und nimm dir ein Thema vor statt 32 Techniken auf einmal. Bleib dabei, bis du es aus dem Effeff kannst, dann geht es zur nächsten Stufe.

Mich hat an Patrick vor allem sein Gedankenwechsel beeindruckt. Er hat aufgehört zu denken, dass Üben nur zählt, wenn eine ganze Stunde frei ist. Er nutzt die Zeit, die er hat, und macht darin die richtigen Dinge.

Welche Dinge das bei dir sind, ist allein oft schwer zu sehen. Patrick hat es auf den Punkt gebracht: Ein YouTube-Video gibt dir kein Feedback. In einer Spielanalyse schauen wir uns gemeinsam dein Spiel an und finden heraus, wo bei dir der größte Hebel liegt, damit deine wenigen Minuten am Set wirklich zählen.

Häufige Fragen

Wie oft sollte man Schlagzeug üben, wenn man wenig Zeit hat?

Patrick, ein ehemaliger Coaching-Teilnehmer, hat sich drei kurze Übungssessions zwischen zwei Bandproben vorgenommen, ohne festen Termin. Der Türöffner war für ihn der Gedanke, dass schon fünf Minuten am Tag etwas bringen. Wichtig ist, ein Thema pro Zeitraum zu wählen und dranzubleiben.

Kann man Schlagzeug ohne Schlagzeug üben?

Ja. Patrick geht Bewegungsabläufe im Kopf durch, etwa beim Gassigehen, Autofahren oder Vorlesen, und klopft Pattern auf Oberschenkel oder Stuhlbein. Den Paradiddle konnte er so nach weniger als zwei Wochen blind spielen.

Wie erstelle ich einen Schlagzeug Übungsplan mit Familie und Job?

Schau dir zuerst dein Alltagsraster an und such dir die Lücken, in denen du üben kannst. Dann brauchst du eigene Motivation und Kontinuität. Nimm dir ein Thema vor und bleib dabei, bis es sitzt, statt viele Techniken gleichzeitig zu lernen.

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