Schlagzeug Übungen: Warum dich neue Übungen nicht zu einem besseren Drummer machen
Übung 47, der nächste Kurs, das nächste Groove-Paket: Warum dich die Masse an Übungen ausbremst und warum Verständnis dein eigentliches Fundament ist.
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Neue Schlagzeug Übungen machen dich nicht zu einem besseren Drummer. Ich weiß, das widerspricht allem, was du online täglich siehst. Übung 47 für die Bassdrum, Paradiddle-Übungen für die Hände, der nächste Kurs, das nächste Groove-Paket. Das Angebot ist riesig, und eigentlich sollte es uns allen helfen.
Es passiert aber oft das Gegenteil. Wenn du gerade nicht besser wirst, ist die logische Reaktion, noch mehr zu konsumieren: mehr Videos, mehr Grooves, mehr Fill Ins. Und genau das hält dich fest.
Das Wichtigste vorweg: Es ist nicht deine Schuld. Du übst, du hast Leidenschaft, du setzt dich hin. Dass trotzdem nicht so viel passiert, wie du dir wünschst, hat einen ganz logischen Grund. Den erkläre ich dir hier.
Warum mehr Schlagzeug Übungen dich lähmen
Ein Beispiel, das wahrscheinlich jeder kennt: Netflix. Eigentlich soll es uns unterhalten, jederzeit und überall. Wenn ich meinen Account öffne, werde ich aber erst mal erschlagen von den Möglichkeiten. Und am Ende lande ich oft doch wieder bei den Filmen und Serien, die ich schon kenne. Weil ich weiß, dass sie gut sind und mich in die Stimmung bringen, die ich haben will.
Im Supermarkt ist es dasselbe. Wenn da nicht zwei, sondern 30 Sorten Milch stehen, bist du wie gelähmt. Du willst die beste Entscheidung treffen und triffst deshalb gar keine. Wir Menschen blocken ab, wenn wir zu viel Auswahl haben.
Am Schlagzeug läuft das genauso. Der ganze Content ist für Konsumenten gemacht, nicht für dich und deine Situation. Was dann passiert: Du greifst dir gelegentlich eine Übung raus. Ohne Zusammenhang, einfach weil sie gerade auftaucht und gut aussieht. Du übst sie eine Weile, dann kommt die nächste.
Und nach zwei Jahren sitzt du da und spürst: Ja, ich bin ein bisschen besser geworden. Aber irgendwie ist es noch nicht so, wie ich es haben möchte. Ich weiß, da geht mehr.
Dieses Gefühl ist kein Zeichen, dass dir Talent fehlt. Es ist ein Zeichen, dass dir ein Fundament fehlt.
Das Haus ohne Fundament
Ein Haus wird immer auf einem sehr stabilen Fundament gebaut. Als Schlagzeuger kannst du dir darunter deine Basics vorstellen. Es gibt bestimmte Themengebiete, auf denen alles andere aufbaut. Das wichtigste davon ist die Kontrolle über deinen Körper, und zwar in ganz vielen Facetten. Denn bei allem, was du spielst, willst du es genau so spielen können, wie du es im Kopf hast.
Jetzt stell dir vor, du baust dein Haus nicht auf ein Fundament, sondern einfach auf den Boden. Das hält eine Zeit lang. Vielleicht passt sogar noch ein Stockwerk drauf. Alles gut so weit.
Aber dann willst du aufstocken. Du hast neue Ideen, willst das Haus verschönern. Und plötzlich fängt es an abzusacken. Hier bekommt eine Wand einen Riss, da bröckelt etwas ab, alles fängt an zu wackeln. Und du wunderst dich, was da los ist. Packst du immer weiter oben drauf, bricht es irgendwann zusammen. Dann bleibt nur noch, alles abzureißen und mit einem vernünftigen Fundament neu anzufangen.
Jede neue Übung ohne Zusammenhang ist so ein weiteres Stockwerk. Sie fühlt sich am Anfang wie Fortschritt an. Aber wenn darunter die Kontrolle fehlt, trägt sie nicht.
Mein eigener Umweg
Mir ist genau das passiert. Ich habe acht Jahre lang als Autodidakt gelernt und bin bis zu einem gewissen Punkt gekommen. Dann habe ich festgestellt: Ich übe so viel, ich mache so viele Übungen, und irgendwie passiert nichts. Ich hatte ständig das Gefühl, es müsste mehr gehen.
Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem ich mir einen Mentor gesucht habe. Und ab da durfte ich vieles, was ich mir mühevoll erarbeitet hatte, noch einmal neu lernen. In acht Jahren trainierst du dir ja auch bestimmte Techniken an. Dieser Neulernprozess, quasi das neue Haus von Grund auf, war sehr anstrengend. Er funktioniert, aber er kostet richtig Kraft.
Diesen Fehler möchte ich dir ersparen. Deshalb mein Satz für dich: Mach das Richtige, nicht einfach nur viel.
Welche Schlagzeug Übungen dich wirklich weiterbringen
Was dich besser macht, ist nicht das Auswendiglernen. Es ist das Verstehen deines eigenen Spiels. Wenn du verstehst, was du üben musst und wie du üben musst, damit genau du besser wirst, verändert sich dein ganzes Spiel.
Fang also bitte nicht bei neuen Übungen an. Fang beim Verständnis an.
Und hier kommt der Teil, der dich vielleicht überrascht: Du hast schon alles in dir, was du brauchst. Du spielst schon richtig gute Rhythmen und richtig gute Fill Ins. Du brauchst gerade nichts Neues, um dein Spiel zu verbessern. Du brauchst einen Weg, das, was du kannst, kreativ einzusetzen und umzuwandeln.
So arbeite ich mit der Split-Flow-Methode
Bei Drum Masters by Tim Rustemeier arbeite ich mit der Split-Flow-Methode. Wir nehmen dein Spiel, so wie es jetzt ist. Und ich zeige dir, wie du das, was du schon kannst, kreativ auf dem Schlagzeug verteilst. Dadurch verbesserst du deine Körperkontrolle, also genau das Fundament, über das wir gerade gesprochen haben.
Der erste Schritt ist immer das Verständnis: Wie kannst du mit dem, was du jetzt schon hast, besser arbeiten? Das Ergebnis ist, dass du dir selbst besser helfen kannst. Du weißt, was du tust und warum. Und du kannst den nächsten Schritt gehen, ohne wieder von der Flut an Übungen überrollt zu werden.
Das ist für mich der eigentliche Unterschied. Mehr Übungen geben dir mehr Material. Verständnis gibt dir die Fähigkeit, mit deinem Material etwas anzufangen.
Was das für deinen Übungsalltag heißt
Wenn du dich in diesem Artikel wiedererkennst, dann bist du in guter Gesellschaft. Viele Schlagzeuger üben jahrelang mit viel Leidenschaft und spüren trotzdem, dass da mehr geht.
Ein paar Gedanken, die du direkt mitnehmen kannst:
- Bevor du die nächste Übung speicherst, frag dich, wofür genau du sie brauchst und worauf sie aufbaut.
- Schau auf das, was du schon spielst. Dort steckt mehr Potenzial als in jedem neuen Groove.
- Miss deinen Fortschritt nicht an der Menge der Übungen, sondern daran, wie sehr du deinen Körper kontrollierst.
Das Schwierige daran: Von innen ist schwer zu erkennen, wo genau dein Fundament wackelt. Du bist mitten in deinem eigenen Spiel, und viele Dinge spürst du einfach nicht, solange niemand von außen draufschaut. Mir ging es acht Jahre lang so.
Genau deshalb biete ich eine Spielanalyse an. Da schauen wir uns gemeinsam dein Spiel an, suchen zwei, drei Stellschrauben, die dich gerade wirklich weiterbringen, und finden heraus, wo bei dir der größte Hebel liegt.
Häufige Fragen
Warum werde ich trotz vieler Schlagzeug Übungen nicht besser?
Zu viel Auswahl lähmt uns, und einzelne Übungen ohne Zusammenhang bauen kein Fundament auf. Dann wirst du zwar ein bisschen besser, spürst aber nach Jahren immer noch, dass mehr gehen müsste. Entscheidend ist nicht die Menge, sondern ob du die richtigen Dinge übst.
Welche Schlagzeug Übungen sind wirklich wichtig?
Die Übungen, die dein Fundament stärken, allen voran die Kontrolle über deinen Körper. Darauf baut alles andere auf. Statt neuer Grooves lohnt es sich, das, was du schon spielst, kreativ auf dem Schlagzeug zu verteilen.
Brauche ich neue Grooves, um besser Schlagzeug zu spielen?
Nein. Du spielst schon gute Rhythmen und Fill Ins, und darin steckt genug Material. Wichtiger ist, dein eigenes Spiel zu verstehen und das, was du kannst, kreativ einzusetzen und umzuwandeln.


